· Aktualisiert: April 2026 Unabhangige Analyse

First Nine Average – Der unterschätzte Indikator

First Nine Average als Wett-Tool: Warum die ersten drei Aufnahmen oft das Match entscheiden. Mit Spielervergleich.

Statistiken luegen nicht. Quoten manchmal schon.

First Nine Average Darts erste Aufnahmen

Der Match Average kennt jeder. Die Checkout-Rate auch. Aber der First Nine Average fristet ein Schattendasein, obwohl er für Live-Wetten enorm aufschlussreich ist. Er misst, wie ein Spieler die ersten neun Darts eines Legs spielt — drei Aufnahmen, die oft schon entscheiden, wer die Initiative hat und wer hinterherlaufen muss.

Phil Taylor brachte es auf den Punkt, als er über den modernen Darts-Sport sprach: „You would not believe the difference since young Luke came along.“ Die Transformation, die Spieler wie Luke Littler verkörpern, zeigt sich nirgends deutlicher als im First Nine Average. Wer mit 180, 140, 140 eröffnet, steht bei 41 Punkten und hat das Leg praktisch gewonnen. Wer mit 60, 60, 100 startet, kämpft ums Überleben. Diese Unterschiede lassen sich messen — und für Wetten nutzen.

Im Gegensatz zum Match Average, der alle Würfe eines Spiels zusammenfasst, isoliert der First Nine Average den reinen Scoring-Aspekt. Hier gibt es keinen Checkout-Druck, keine Erschöpfung nach langen Legs, keine taktischen Abwägungen beim Stellen. Nur das fundamentale Können: Wie gut trifft ein Spieler, wenn er einfach nur Punkte sammeln will?

Warum der First Nine Average zählt

Die ersten drei Aufnahmen eines Legs sind keine beliebige Stichprobe. Sie sind der Moment, in dem der Spieler noch frisch ist, konzentriert, ohne den Druck eines Finish-Versuchs. Was ein Spieler hier zeigt, ist sein reines Scoring-Potenzial — unverfälscht von Checkout-Stress oder der Ermüdung langer Matches.

Der First Nine Average korreliert stark mit der Wahrscheinlichkeit, ein Leg zu gewinnen. Wer nach neun Darts bei 380 oder mehr steht, hat nur noch 121 Punkte zum Finish — ein realistisches Three-Dart-Out. Wer bei 280 steht, braucht noch zwei volle Aufnahmen plus Checkout. Der Unterschied zwischen diesen Szenarien ist gewaltig, und er zeigt sich bereits in den ersten Sekunden eines Legs.

Für Wettende ist das relevant, weil der First Nine Average weniger schwankt als der Match Average. Ein Spieler, der konstant mit 140+ startet, wird dies auch unter Druck tun. Das Scoring in der Startphase ist trainierbar und automatisiert — anders als das Finish, das von Nervenstärke und Tagesform abhängt. Wer die First-Nine-Daten kennt, versteht das Fundament eines Spielers besser als mit dem reinen Average.

Luke Littler demonstriert, was ein Elite-First-Nine bedeutet: Seine 0,40 180s pro Leg laut PDC-Analyse kommen überwiegend in den ersten drei Aufnahmen. Das ist kein Zufall. Top-Spieler maximieren ihr Scoring, solange sie noch nicht unter Checkout-Druck stehen. Der First Nine Average bildet genau diese Fähigkeit ab.

So wird der First Nine Average berechnet

Die Berechnung ist simpel: Summe der Punkte aus den ersten drei Aufnahmen eines Legs, geteilt durch drei. Ergebnis: der durchschnittliche Drei-Dart-Score in der Startphase. Bei Littler liegt dieser Wert regelmäßig über 130, bei guten Tour-Spielern zwischen 100 und 115, bei durchschnittlichen Profis zwischen 90 und 100.

Wichtig ist die Unterscheidung vom normalen 3-Dart-Average. Der Match Average umfasst alle Aufnahmen, also auch die oft schwächeren Würfe beim Stellen auf ein Checkout. Ein Spieler mit 100er-Match-Average kann durchaus einen 115er-First-Nine haben — und umgekehrt. Die Differenz zwischen beiden Werten zeigt, wie stark ein Spieler im Endspiel abfällt.

Manche Statistik-Dienste unterscheiden zusätzlich zwischen First-Nine-Average beim eigenen Anwurf und beim Anwurf des Gegners. Dieser Unterschied kann erheblich sein. Spieler, die beim eigenen Anwurf deutlich stärker starten, sind bei Breakball-Wetten mit Vorsicht zu genießen. Umgekehrt sind Spieler, die auch als Zweiter stark scoren, ideale Kandidaten für Live-Wetten auf Breaks.

Ein praktisches Beispiel: Spieler A hat einen Match Average von 98 und einen First Nine von 110. Das bedeutet, er startet stark und fällt dann ab — vermutlich, weil sein Checkout-Spiel schwächer ist. Spieler B hat einen Match Average von 100 und einen First Nine von 95. Er startet schwächer, dreht aber auf, wenn es ans Finish geht. Diese Profile erfordern unterschiedliche Wettstrategien.

Spielervergleich: Wer startet stark?

Die PDC-Tour bietet genug Daten, um Spielertypen zu identifizieren. Es gibt die Power-Scorer, deren First Nine regelmäßig über 120 liegt. Sie dominieren die Startphase und setzen ihre Gegner sofort unter Druck. Littler ist das Paradebeispiel: Sein Set Average Rekord von 140,91 zeigt, was passiert, wenn ein Spieler von der ersten Aufnahme an Vollgas gibt.

Dann gibt es die Grinder — Spieler mit solidem, aber nicht spektakulärem First Nine um die 100 bis 105. Sie gewinnen ihre Matches durch Konstanz und starkes Finishing, nicht durch explosive Starts. Gegen Power-Scorer geraten sie oft früh in Rückstand, können aber durch überlegene Checkout-Raten ausgleichen.

Und schließlich die Slow Starter: Spieler, deren First Nine unter dem Match Average liegt. Sie brauchen ein, zwei Legs, um in Schwung zu kommen. Für Live-Wetten sind sie interessant, weil ihre Quoten nach einem schwachen Start oft überreagieren. Wer weiß, dass ein Spieler typischerweise langsam anfängt, kann dieses Muster ausnutzen.

Der direkte Vergleich der First-Nine-Averages zweier Spieler verrät viel über die zu erwartende Matchdynamik. Wenn beide über 115 liegen, werden die Legs kurz und intensiv. Wenn beide unter 100 liegen, entstehen längere Legs mit mehr Checkout-Versuchen und höherer Varianz. Diese Muster sind erstaunlich konsistent und helfen bei der Einschätzung von Over/Under-Märkten.

Live-Wetten-Anwendung

Im Live-Betting zeigt sich der Wert des First Nine Average sofort. Nach den ersten drei Aufnahmen eines Legs weißt du, ob ein Spieler auf Kurs liegt oder kämpft. Wenn jemand mit seinem typischen 115er-First-Nine bei 85 steht, ist das ein Warnsignal — entweder eine Formkrise oder temporäre Unkonzentriertheit.

Die praktische Anwendung: Verfolge die ersten drei Aufnahmen jedes Legs und vergleiche sie mit den bekannten First-Nine-Werten beider Spieler. Abweichungen nach oben oder unten signalisieren, wer gerade im Flow ist und wer nicht. Die Quoten reagieren auf Scoreboard-Entwicklungen, aber sie erfassen nicht immer, ob ein Spieler über oder unter seinem Niveau spielt.

Besonders wertvoll ist diese Information in engen Matches. Wenn beide Spieler bei 2:2 in Sets stehen und einer plötzlich seine First-Nine-Werte verfehlt, während der andere liefert, ist das ein stärkeres Signal als der bloße Spielstand. Du siehst die Ursache, bevor sie sich im Ergebnis niederschlägt — und kannst entsprechend handeln.

Ein weiterer Anwendungsfall: die Leg-Gewinn-Prognose innerhalb eines laufenden Legs. Nach den ersten neun Darts beider Spieler lässt sich oft schon absehen, wer die bessere Ausgangsposition hat. Diese Information ist bei Live-Wetten auf den nächsten Leg-Gewinner direkt verwertbar.

Fazit

Der First Nine Average ist das Fundament, auf dem Leg-Gewinne gebaut werden. Er zeigt das reine Scoring-Potenzial eines Spielers, bevor Checkout-Druck und Ermüdung ins Spiel kommen. Für Wettende liefert er eine zusätzliche Ebene der Analyse: Wer startet stark, wer braucht Anlaufzeit, wer fällt ab? Diese Informationen, kombiniert mit dem Match Average und der Checkout-Rate, ergeben ein vollständiges Bild — und damit bessere Wettentscheidungen. Besonders im Live-Betting entfaltet der First Nine Average seinen Wert: Er zeigt früh im Leg, ob ein Spieler auf Kurs ist oder nicht, und ermöglicht so informierte Wetten, bevor die Quoten reagieren.